Termine

Vereinskelter

Preise:

1 Liter Saft   0,50 €

1 Beutel, 5 l  0,80 €
1 Karton, 5 l  0,80 €

1 Beutel, 10 l 1,- €
1 Karton, 10 l 1,- €

Apfelsaft aus dem Milchhäuschen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 08. September 2011 um 08:32 Uhr

Wattweiler Obstbauverein keltert Apfel-, Quitten- und Birnensaft -
Gute Apfelernte beschert dem Verein volle Auftragsbücher

Die Apfelbäume biegen sich zurzeit unter dem Gewicht der vielen Früchte. Dass die Ernte dieses Jahr gut ausfällt, erkennt man auch beim Blick in das gefüllte Auftragsbuch des Wattweiler Obstbauvereins. Vor exakt zwei Wochen haben der Vorsitzende Hans Conrad und seine Kollegen mit dem Keltern begonnen.

Quelle:
Die Rheinpfalz
Zweibrücker Rundschau
Mitarbeiter: Anna Flämig
08. September 2011

Im ehemaligen Milchhäuschen in Wattweiler liegt der süßliche Duft von Äpfeln in der Luft. In der Kelter werden die ersten Äpfel des Jahres gepresst. Die Anlage wummert. Männer in Arbeitskleidung eilen in dem kleinen Raum mit Körben voller Äpfel und Saftkartons hin und her. Die Verständigung ist trotz des Lärms kein Problem für die Helfer vom Obstbauverein. Die Herren, von denen keiner jünger als 70 ist, sind ein eingespieltes Kelter-Team.

„Das ist mein Kampfanzug”, sagt Bernd Müller und zeigt auf seine armlangen Handschuhe und die Plastikschürze, die bis zum Boden reicht. Die Säure des Obsts hat die ehemals weißen Handschuhe dunkel verfärbt. Der 70-Jährige kippt einen Sack Äpfel ins Wasserbad der Kelter. Hier wird der letzte Schmutz von dem bereits gewaschenen Obst gespült. Mit einem Schnecken-Elevator gelangen die Äpfel vom Wasserbad nach oben in die Mühle. In der so genannten Rätzmühle werden sie dann durch Siebe gequetscht, so dass ein grobes Fruchtmus entsteht. Hat die Maschine genügend Brei produziert, öffnet Bernd Müller die Mühle und das Mus fällt auf ein Tuch.

Spätestens bei diesem Arbeitsschritt ist eine Schürze wichtig, denn das Apfelmus spritzt in alle Richtungen. Dann faltet der Wattweiler das Tuch über die gequetschten Äpfel und legt eine Platte darüber. Darauf kommt die nächste Musschicht. Da der Teil, auf dem der Brei-Turm steht, beweglich ist, kann Müller das Mus ganz einfach von der Mühle in die Presse drehen. Dafür dreht sich das Gegenstück zurück unter die Mühle und wird dort neu mit Mus und Platten beladen. „Der Druck in der Presse beträgt 350 bis 370 Bar”, sagt Hans Conrad. Den Apfeltrester bekommen die Wattweiler Kühe.

Der Saft läuft zwischen den Platten hervor und wird in einem Behälter aufgefangen. Der letzte Schritt ist die Pasteurisierung, der Saft wird bei rund 80 Grad erhitzt. Danach füllt Conrad ihn in fünf oder zehn Liter große Beutel ab. „Jetzt kann man den Saft drei bis vier Jahre aufheben”, erzählt der 73-Jährige. Empfehlen würde er aber nur zwei Jahre Lagerung. „Im Gegensatz zum Wein wird der Saft ja nicht besser”, sagt er.

KelteranlageDie Kelteranlage hat der Obstbauverein 1998 gekauft - für 35 000 Euro. „Davor haben wir den Saft in einem ehemaligen Wurstkessel erhitzt”, erzählt Conrad. Zuerst füllten die Mitglieder ihren Saft in Flaschen ab. Karl Kühn, einer der Ersten, die beim Obstpressen halfen, kann sich noch gut an die Zeit der Glasflaschen erinnern: „Da ist öfter mal eine kaputt gegangen, dann hat's patsch gemacht und wir mussten erst mal die ganzen Scherben zusammenkehren.” Das war einer der Gründe, warum sich die Wattweiler 1998 für die Beutel entschieden. Außerdem brauche der Kunde weniger Lagerplatz und nach dem Öffnen bleibe der Saft länger gut, da anders als bei der Flasche keine Luft in den Beutel gelange.

Trotz der Beutel ist der Boden in der Kelter mittlerweile vom heruntertropfenden Saft klebrig geworden. Auch die Wespen haben mitbekommen, dass in Wattweiler wieder gekeltert wird. „Ende September wird es hier richtig schlimm mit den Wespen und Hornissen”, erzählt Kühn.

Der erste Kunde 2011, Gerhard Molter aus Bubenhausen, kann seine Kartons nach einer Stunde einpacken. Er bringt seine Äpfel schon seit Jahren in die Vereinskelter in Wattweiler. Auch privat kennt man sich gut: „Wir sind beide zur selben Zeit in Homburg am Herzen operiert worden”, erzählt Conrad. Damals habe es im Krankenhaus vor allem ein Thema gegeben: Äpfel.

Auch in der Kelter sind Obst und Garten das große Thema unter den Männern. „Die Kunden bleiben die ganze Zeit dabei, und da wird viel gefachsimpelt”, erzählt Conrad. Jährlich kommen 150 bis 180 Kunden zum Obstpressen, mittlerweile auch viele Franzosen. Im bislang besten Jahr 2008 wurden 40 000 Liter Saft produziert. „Hundert Kilogramm Äpfel ergeben rund 70 Liter Saft”, erklärt Conrad. Im vergangenen Jahr waren es nur etwa 10 000 Liter. Für dieses Jahr erhofft sich Conrad aber wieder eine bessere Apfelernte: Das schöne, trockene Frühjahr und der nasse Sommer seien gut für die Äpfel gewesen. Vor allem habe es im Gegensatz zu den meisten anderen Jahren keinen Frost während der Blütezeit gegeben. Schon jetzt ist das Auftragsbuch des Vereins gut gefüllt.

Gepresst werden im ehemaligen Milchhäuschen Äpfel, Birnen und Quitten. Letztere erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: „Die Leute bringen immer mehr Quitten zu uns”, erzählt Conrad. Auch sein Enkel sei ein großer Fan von Quittensaft. Jeder Kunde hat aber seine eigenen Vorstellungen, wie der Saft schmecken soll. Der Besitzer vom Rosenhof in Einöd, Helmut Kliver, wolle zum Beispiel nur sortenreinen Apfelsaft, erzählt Conrad. Er selbst mischt lieber die Sorten für ein vielfältigeres Aroma. Zurzeit bringen die Kunden vor allem die Sorten Alkmene und Gravensteiner, denn die sind Anfang September schon reif. In ein paar Wochen kommen dann vor allem Bellefleur-Äpfel dazu, auch „Siebenschläfer” genannt.

Mittlerweile ist es halb elf und der zweite Kunde bezahlt bei Conrad seine 150 Liter Saft. Trinkgeld gibt's auch noch, was den Vereinsvorsitzenden freut. Eine Kaffeekasse gebe es allerdings nicht, das rentiere sich bei ihm und seinen Kollegen nicht. „Trinkgeld verwenden wir ausschließlich zum Trinken”, sagt Conrad und lacht.





Zur Sache:

Kosten und Kelter-Termine
Ein Liter Saft kostet beim Obstbauverein Wattweiler 50 Cent, fünf Liter 80 Cent und zehn Liter einen Euro.
Die Kartons kosten extra: 80 Cent für den Fünf-Liter-Karton, ein Euro für die doppelte Größe.
Der Mitgliedsbeitrag beträgt acht Euro pro Jahr, Familien zahlen zwölf, Studenten und Azubis vier Euro.
Termine kann man bis zum 11. Oktober direkt in der Kelter (Bliestalstraße 34) oder unter Telefon 06332/ 17634 von 12 bis 13 Uhr vereinbaren. Nach 19 Uhr ist dann Hans Conrad Ansprechpartner. (flä)