| Aus heimatlichen Gauen |
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| Geschrieben von: Iwer Rosenboom |
| Donnerstag, den 12. März 2009 um 21:00 Uhr |
„Aus heimatlichen Gauen“ hieß früher eine Wochenbeilage des Pfälzischen Merkur. In der Ausgabe vom 29. Januar 1958 findet sich ein von Rudolf Wilms verfasster Artikel unter der ÜberschriftWattweilerIdyllische Gemeinde im Zweibrücker KirschenlandDr. Christmann leitet in seinem Buch „Die Siedlungsnamen der Pfalz“ den Namen Wattweiler von einem „Weiler des Watto“ her, wobei unter Watto ein altdeutscher Rufname verstanden werden muß, entstanden als Kurzform aus dem Vornamen Wadefred. Um das 12. Jahrhundert wird der Ort Watwilre geschrieben, wird jedoch bereits 1316 zu Wattweiler, vorübergehend auch Wattwiller und Wattweyler geheißen. Im Volksmund heißt er allgemein Wattwiller. Lage des Ortes Wattweiler liegt südwestlich von Zweibrücken in einer breiten Talmulde, die vom Mölschbach durchflossen wird, der nach einem kurzen Lauf durch das sogenannte Wattweiler Tälchen sich in die Blies ergießt. Seine Banngrenze berührt jene von Zweibrücken-Bubenhausen, Webenheim, Mimbach, Hengstbach, Mittelbach und Zweibrücken-Ixheim. Zur Gemeinde Wattweiler gehören der Mölschbacherhof u. der Kettersbergerhof, auch Gollenacker genannt. Geschichtliches Ueber die Geschichte von Wattweiler berichtet Kampfmann in seinem Buch „Heimatkunde des Bezirksamtes Zweibrücken“: Im frühen Mittelalter war der Ort Pfarrort, denn 1180 unterzeichnet der Priester Sifrid von Wattweiler die Stiftungsurkunde des Klosters Wörschweiler. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts hatten die Ritter Nikolaus und Johannes von Schobenberg (Schaumburg bei Tholey) den Ort im Besitz, denn 1308 versprachen sie dem Kloster Wörschweiler die Fruchtzinsen zu liefern. Später kam der Ort ans herzogliche Haus Zweibrücken und zählte vom 16. Jahrhundert an zum Hubhof Ixheim. Nach dem Ort nannte sich ein Adeliger, der 1180 als „Melfrid von Wattwilre“ eine Stiftungsurkunde des Klosters Wörschweiler unterzeichnete. Kirchliches Wattweiler gehört seit altersher zum Pfarrbezirk von Mimbach, daran änderte auch die Grenze nichts, die nach beiden Kriegen durch Schaffung des Saargebietes den Filialort von seiner Mutterkirche trennte. Allerdings wurde es durch die Grenzziehung notwendig, in Wattweiler eine evangelische Kirche zu errichten, was 1930 geschah. Diese neue Kirche wurde neben den Resten einer alten Kapelle, die dem heiligen Mauritius geweiht war, errichtet, die jedoch bereits 1750 als zerfallen bezeichnet wird. Die neue Kirche wurde im letzten Krieg stark zerstört und konnte erst am 1. Advent des Jahres 1952 nach umfangreichen Instandsetzungen wieder in Dienst genommen werden. Vergangenes Jahr, am 4. Advent 1957, konnte die Wiederaufbauarbeit einen krönenden Abschluß finden, indem zu der im Krieg erhalten gebliebenen Glocke noch zwei weitere Bronzeglocken kamen, gegossen von der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe. Kriegsgeschichtliches Trotz ihrer abseitigen Lage war die Umgebung von Wattweiler schon öfters Schauplatz blutiger Kämpfe. Kampfmann schreibt darüber: „Zweimal war die Wattweiler Mark mittelalterlicher Kriegsschauplatz. Als 1276 Graf Heinrich von Salm sich mit dem Metzer Bischof Laurentius verglich, die Grafschaft Blieskastel und die Herrschaft Püttlingen mit ihm zu teilen, zog Herzog Friedrich III. von Lothringen, der Anspruch auf erstgenannte Grafschaft erhob, gegen des Bischofs Verbündeten, den Grafen Heinrich von Zweibrücken, verlor aber die Schlacht auf der Höhe bei Wattweiler. 1413 hatte Graf Philipp von Nassau in einem Streite mit Wynnemann und Eberhard von Gymnich den ersteren gefangen, den letzteren aber zu Homburg belagert und die Feste [be]rannt. Darüber ergrimmten die Mitbesitzer der Burg, vor allem Graf Friedrich III. von Veldentz. Herzog Stephan übernahm es nun, die Rechte seines Schwiegervaters zu verteidigen und zog, von allen Verbündeten zum Anführer erkoren, zur Fehde gegen Graf Philipp aus. Einen Teil seiner mit Feuergewehren bewaffneten Mannen schickte er nach Altstadt, um den Uebergang über die Blies zu verhindern; den anderen Heerhaufen aber führte er auf die Wattweiler Höhe, woselbst sich die Feindesschar unter Anführung des Nassauers versammelt hatte. Beim Mölschbacherhof stießen die Reiterscharen aufeinander. Zwar fiel des Herzogs Hauptmann, der mannesmutige Hans von Zeiskam, doch des Gegners riesige Knechte wurden überwunden.“ Auch während der französischen Revolutionskriege, als die Kämpfe zwischen Deutschen und Franzosen auf der gegenüberliegenden Blieshöhe von Biesingen entbrannten, war die Gegend von Wattweiler in die Kämpfe mit einbezogen. Ein alter Flurname „Bei der Preußenschanze“ erinnert an die Kämpfe der Jahre 1793 und 1794. Im Verteidigungsgürtel des Westwalles gelegen, hatte Wattweiler im letzten Krieg stark unter Artilleriebeschuß zu leiden. Große Teile des Ortes wurden zerstört. Der Wiederaufbau ist noch nicht vollkommen durchgeführt. In der Gemarkung verstreut liegen noch die gesprengten Bunkerreste des Westwalles und beeinträchtigen die Feldbestellung. Den Opfern der Kriege 1914/18 und 1939/45 errichtete 1954 die Gemeinde auf dem Friedhof eine würdige Gedächtnisstätte. Unter einem gemauerten Baldachin befindet sich eine erhöhte Gruftplatte, auf der ein Stahlhelm aus weißem Sandstein ruht. Zu beiden Seiten des Ehrenmals befinden sich die Grabstätten der hier bestatteten Kriegsopfer. Die Gestaltung des Ehrenmals lag in den Händen des Architekten Franz Lang von Webenheim. Der Raulenstein In Richtung gegen den Mölschbacherhof liegt der eigenartig geformte Raulenstein, ein Felsgebilde aus Kalkstein, das wegen seiner Besonderheit unter Naturschutz gestellt wurde. Das Felsgebilde stellt eine Ablagerung aus kalkhaltigem Wasser dar, ein sogenannter Kalksinter. Die Hauptmasse des Felsen, der sich unter einem Wiesenhang fortsetzt, umfasst im sichtbaren Teil einen Umfang von etwa 18 Metern Breite und 4 Metern Höhe. Von dem Felsgebilde abgetrennt, steht davor eine fast quadratische Felssäule von etwa einem Meter im Geviert und in der Höhe. Der Raulenstein, ein grauweißes, poröses Felsgebilde, ist von vielen Gängen durchzogen, einst wohl Ablaufrinnen des Kalkwassers, das diesen eigenartigen Stein schuf. Heute huschen darin Eidechsen und sonstiges Getier umher. Den Namen Raulenstein weiß man heute nicht mehr zu deuten. Vielleicht ist es eine Abwandlung von „rauen Stein“, denn der Kalkstein hat durch die Sinterung eine rauhe Oberfläche. Eine versuchte Namensdeutung, indem man Raul von Reul, wie man früher hierzulande die Durchgänge zwischen den Häusern bezeichnete, hergeleitet von dem französischen „ruelle“ (Gässchen), ableitet, scheint mir abwegig, selbst wenn man damit eine Verbindung mit den bestehenden Gängen (Reulen) im Raulenstein herstellen will. Leider ist über diesen überaus interessanten Fels nichts in der Heimatliteratur überliefert, auch das neue Geologiebuch über die Pfalz berichtet nichts über diesen Stein. Vielleicht ist in dem Stein eine Verbindung zu den ehemals bestandenen Gipsgruben auf der benachbarten Gemarkung von Breitfurt gegeben, wo früher in dem Seitental der Blies ebenfalls Kalksinter gefunden wurden. Weiher im Kalksteinbruch Auf der Wattweiler Höhe, hinter dem Kalkwerk von Lehmann, zwischen der Straße nach Wattweiler und der Wolfsacht (Kugelfang) hat sich in einem Kalksteinbruch ein See gebildet, der auch im heißen Sommer noch nie austrocknete. Der Weiher misst etwa 80 Meter in der Länge und etwa 50 Meter an der breitesten Stelle. Man schätzt ihn auf eine Tiefe von 3 bis 4 Metern. Er ist von allen Seiten durch steile Felswände eingefasst. Von einer Seite führt der frühere Abfuhrweg wie eine Lände in den Weiher, der mit Fischen und Lurchen bevölkert ist. Geheimnisvoll öffnet sich in eine der Seitenwände ein Stollen, wie ein Zugang zu einer versteckten Grotte. Der Steinbruch wurde beim Bau des Westwalles zur Gewinnung von Kalksteinen angelegt und wurde nach Einstellung der Arbeit offen gelassen. Der Weiher wird durch unterirdische Quellen gespeist, die ihren Ursprung in dem Waldkomplex der Wolfsacht haben. Während der Sommermonate dient der Weiher der Wattweiler Jugend als Badeweiher. Mölschbacher Hof Nach Kampfmann stand anstelle des Hofgutes im Mittelalter ein Dorf, das zum Kloster Hornbach gehörte. In diesem Dorf siedelten sich um 1300 Bewohner des bei Einöd gelegenen und eingegangenen Dorfes Hundhausen an. Das Kloster Hornbach besaß hier ein eigenes Meiereigut, das sogenannte Biedermannsgut. Zu Ende des 15. Jahrhunderts scheint die Dorfmark in den Besitz der Herzöge von Zweibrücken eingegangen zu sein. 1787 vertauschte Herzog Karl August diesen Hof als freiadeliges Gut dem Herrn von Kreutzer gegen den Leichelbinger Hog (Monbijou), der ihn aber 1790 nach seiner Verabschiedung wieder an den Herzog zurückgeben musste. Während der französischen Revolutionskriege wurde der Herrschaftshof von den Franzosen als Nationalgut beschlagnahmt. Von Napoleon an die verwitwete Herzogin zurückgegeben, veräußerte diese den Hof 1805 dem Frankfurter Kanzleidirektor K. Böhmer, der ihn 1810 an die Güterhändler Mathieu und Thiebould verkaufte, die das Hofgut parzellierten und weiterveräußerten. Kettersberger Hof und Gollenacker Dieser Hof, ebenfalls zur Wattweiler Gemarkung gehörend, wurde 1766 durch den Wattweiler Ziegler Sebastian Marschall auf dem herrschaftlichen Willerungsgelände, dem sogenannten Köderberg, errichtet. Anzunehmen ist, dass von diesem Flurnamen Köderberg der Name des Kettersberger Hof abgeleitet ist. Es liegt die Vermutung nahe, daß in diesem Namen eine alte Verbindung zu dem Gollenstein bei Blieskastel gegeben ist. Uzname Die Wattweiler nennt man im Volksmund die „Kässpatzen“. Bekannt ist, daß früher die Frauen von Wattweiler mit ihrem gern gekauften Handkäse nach Zweibrücken auf den Markt kamen. Es kam nun vor, daß nach der Zubereitung des Handkäses, während derselbe zum Trocknen auf dem Fensterbrett abgestellt wurde, die vorwitzigen Spatzen daran pickten. Das soll zur Bezeichnung „Wattweiler Kässpatzen“ geführt haben. Wattweiler in der Statistik In dem neu herausgebrachten „Handbuch der Ämter, Gemeinden und Verbände für den Regierungsbezirk Pfalz“ steht über Wattweiler das Folgende zu lesen: „Wattweiler“, 270 Meter über dem Meer, Kreis Zweibrücken; 554 Einwohner, davon 480 evangelisch. Gemarkungen: 653 ha, davon 145 ha Wald, 475 ha Nutzboden, 35 ha Wiesen. Bevölkerung: 16 Proz. Landwirtschaft, 60 Proz. auswärtige Industrie, 4 Proz. örtliches Gewerbe, 20 Proz. Sonstiges. Ortsklasse C. Kirchweihe am ersten Sonntag nach Michaelis. 1. Bürgermeister: Emil Deßloch, Verwaltungsangestellter: Fr. Deßloch.“ |
Wattweiler Geschichte
Historische Daten chronologisch
| 09. Apr. 1180 | Gründungsurkunde |
| 1276 | Erbfolgekriege bei Wattweiler |
| 1300 | Geschichte zum Mölschbacherhof |
| 1564 | Wattweiler Karte von Tilemann Stella |
| 1931 | Schicksale der Wattweiler Kirchen |
| 1951 | 190 Jahre Kettersbergerhof |
| 29. Jan. 1958 | Aus heimatlichen Gauen |



