190 Jahre Kettersbergerhof PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hans Conrad   
Montag, den 31. August 2009 um 11:36 Uhr

Im Jahre 1761 faßte die Zweibrücker Feldbaukommission den einhelligen Beschluß, das herrschaftliche Willerungsgelände am Köderberg in Erbbestand zu übernehmen. Diesem An-sinnen widersetze sich die fürstliche Oberförsterei deshalb, weil sie diesen Hügelkopf bereits mit Buchelsamen besamt hatte. Doch unterm 1. November desselben Jahres genehmigte Pfalzgraf Christian IV. die Anlage eines Bauernhofes. Daraufhin suchte der Ziegler Sebastian Marschall von Wattweiler um Verleihung dieses nur 86 ¼ Morgen großen Besitzes nach.  Als seinem Begehren entsprochen wurde, erbaute er am Köderberg ein Bauernhaus nebst Zubehör. Am 29.12.1766 erwarb sich dann Marschall einen Erbbestandsbrief mit folgenden Be-schwerden: Er erhält erb- und eigentümlich den Kettersberger Hofbezirk unentgeltlich, damit er ihn mit bestem Fleiß bearbeite und den Untertanen ein erbauliches Beispiel gebe. Dabei aber muß er alle ordinären und extraordinären Auflagen, wie solche die Wattweiler Untertanen abtragen, bezahlen. Von dem zum Hof nachträglich geschlagenen Frohnetzel, welches 31 Morgen Land enthielt, hat er jährlich 2 Malter 3 Faß Haber und ebensoviel Dinkel an die Zweibrücker Amtskasse zu entrichten. Als Sebastian Marschall 177? unter Zurücklassung von fünf Kindern verschied, erhielt sein ältester Sohn Michel für 500 Gulden den Hof.

Der Kettersbergerhof, von der einheimischen Bevölkerung nur Gollenacker genannt (Gol-lenstein bei Blieskastel!), ist längst aufgeteilt. Heute befinden sich daselbst fünf Siedlungen, unter denen der Name Marschall noch vertreten ist. Das Land um den Hof herum ist recht fruchtbar und besonders für den Obstbau geeignet. Die ersten Kirschen, die aus dem Land-kreis auf dem Zweibrücker Wochenmarkt erscheinen, sind auf dem Gollenacker gewachsen.

Der Artikel ist der Wochenbeilage des Pfälzischen Merkur „Aus heimatlichen Gauen“ aus dem Jahre 1951 entnommen. Bei der Abschrift des Artikels wurden die Rechtschreibregeln seiner Entstehungszeit beibehalten. Beim Todesdatum von Andreas Marschall fehlt im Originalartikel die letzte Ziffer der Jahreszahl.